Samstag, 27. Dezember 2014

Kein Lametta


Die Kerzen des Adventskranzes sind runter gebrannt, die Weihnachtskarten gelesen und die Reste des Bratens verspeist. Die Verwandten sind wieder auf dem Weg nach Hause, im Hof quellen die Papiertonnen über und der Baum beginnt zu nadeln. Die Geschenke finden ihre Plätze in den Schränken und nur die Lichterketten leuchten unermüdlich weiter. Er ist so schnell vorbei der Weihnachtszauber!

Sonntag, 30. November 2014

Perspektive

Oder die Geschichte eines kopflosen Mannes


Im Herzen Hamburgs findet man zwischen kalten Glas- und Betonfassaden, Bürogebäuden und edlen Einkaufspassagen das Gängeviertel, das sich so gar nicht in die glatte Umgebung einfügen möchte. Es ist ein rauer, bewegter Ort - nicht perfekt, aber lebendig! Wenn man aus den Fenstern dieser Häuser schaut, blickt man in eine andere Welt. Unmöglich kann das, was du siehst, die gegenüberliegenden Straßenseite sein, so groß sind die Kontraste. Zwei Welten, die parallel existieren, ohne das sich jemand die Mühe macht die Straße zu überqueren.


Ich stehe inmitten in einer Baustelle, bin staubig und erschöpft, trete ans Fenster und betrachte die hell erleuchteten Büros auf der anderen Seite. Vor unzähligen Computern sitzen Menschen, die gebannt auf die Bildschirme starren. Um einen großen Tisch mit stattlichen Sesseln sitzen Menschen und debattieren. In einem kleinen Raum trinken zwei Leute Kaffee. Einer verabschiedet sich und geht durchs Treppenhaus und einen langen Flur entlang in ein anderes Büro, wo er sich direkt wieder vor einen Bildschirm setzt und beginnt zu tippen. Woanders telefoniert eine Frau und jemand blättert durch einen Aktenordner. Keiner der Menschen die ich erblicke schaut aus dem Fenster. Dann bleibt mein Blick an einem Büro hängen, dort steht neben dem Schreibtisch, direkt vor dem Fenster, ein kleiner Baum. An dem Schreibtisch hockt, über eine Tastatur gebeugt, ein kopfloser Mann. Anstelle seines Kopfes sehe ich die Kronen des kleinen Baumes, der hinter den Fensterkreuzen des Büros eingesperrt wirkt.


Dieses Bild hat sich fest in mein Gehirn eingebrannt. Es ist eine Metapher für ein Thema, das mich im Moment sehr beschäftigt - meine Zukunft. Im Sommer habe ich das Abitur gemacht und nun bin ich auf der berühmten Suche nach mir selbst. Da es mir eher unwahrscheinlich scheint, mich selbst in Australien zu finden, bin ich aus der Großstadt in ein Dorf in den hohen Norden Deutschlands gezogen, wo ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolviere. Vor dem Studium wollte ich praktisch arbeiten, am liebsten ein Handwerk lernen. Und jetzt bin ich hier, habe verlernt, wie es geht still zu sitzen und vergessen, was ich mal werden wollte. Ich liebe den Moment und fliehe vor der Zukunft, weil sie mich in ein solches Büro treiben könnte. Wird aus mir irgendwann auch ein kopfloser Mensch, der versucht das letzte bisschen Natürlichkeit zu bewahren und in sein Büro zu sperren?


Wenn der kopflose Mann am Ende eines langen Arbeitstages seinen Computer herunterfährt, den kleinen Baum gießt, seinen Mantel anzieht, das Licht ausschaltet und einen Blick auf die Häuser auf der anderen Straßenseite wirft, was er dann wohl denkt?

Sonntag, 2. November 2014

Neulich

Neulich dachte ich über die nächsten Jahre nach. Heute frage ich mich, was in ein paar Wochen ist. Neulich hatte ich Pläne und Ziele. Heute habe ich Ungewissheit. Neulich hatte ich ein schönes Bild von mir in ein paar Jahren. Heute betrachte ich ein schönes Bild, nur mich sehe ich darin nicht. Ob ich mich morgen wieder in dem Bild von gestern sehe oder in der Skizze von übermorgen?

Montag, 29. September 2014

Entfernung

Es gibt Menschen und Orte, die dir ganz nahe sind, obwohl sie hunderte oder tausende Kilometer entfernt sind. Aber andersherum gibt es auch Menschen, die du tagtäglich siehst, mit denen du redest oder lachst, ohne das sie dir jemals vertraut werden. Entscheidend für Nähe ist nicht die räumliche Entfernung, sondern was in deinem Kopf vorgeht.
Manchmal hilft ein wenig Abstand um klarer zu sehen. Auf einmal wird aus dem kleinen Puzzlestück, das du eben noch so genau betrachtet hast, um die Lösung zu finden, ein ganzes Bild. Und wenn du weggehst, ein Stück oder aber auch sehr weit, merkst du, wer dir folgt, wen du in Gedanken mitnimmst und wer immer bei dir ist. Das sind die Menschen, Orte und Erinnerungen die dich zu dem machen was du bist, weil du sie immer in deinem Herzen trägst. Überall!

Dienstag, 9. September 2014

Neuland


Wir leben in unseren Welten, bauen Mauern, aber auch Türen und Fenster. Wir lassen manche ein und weisen andere ab und nur wenige laden wir zu uns ein. Wir öffnen unsere Herzen, versinken in Gedanken und fliegen in unseren Träumen. Wir brechen aus, brechen auf und gehen unserer Wege. Wir lassen zurück und machen uns auf die Suche. Wir ziehen in die Ferne und treiben davon. Wir steuern und lenken ohne zu wissen, wo wir uns befinden.
Auf unseren Wegen entdecken wir neue Welten, sehen bunte Farben und ein anderes Licht. Wir hören fremde Geräusche und schmecken die Abenteuerluft. Wir lernen Lieben und Hassen, lernen Weinen und Lachen. Wir lehren unsere Welt zu verstehen und tiefer hineinzusehen. Wo bist du? Was ist deine Welt? Wie sieht sie aus? Fühlst du dich zuhaus´?

Sonntag, 31. August 2014

Blau

Jeden Tag das gleiche Spiel. Ein sicheres, ausgeklügeltes Spiel. Eine Routine, die sich ins Gehirn eingebrannt hat. Und dann, nach zwölf Jahren, ist auf einmal alles vorbei. Dir wird ein Zettel ausgehändigt, der dir bescheinigen soll, bereit für die nächste Stufe deines Lebens zu sein. Und du? Bist du soweit?

Ein kleiner Vogel lernt das Fliegen erst, wenn er das Nest verlässt. Davor kann er mit den Flügeln schlagen und herum hüpfen soviel er will, wirklich fliegen lernt er dadurch nicht. Aber warum fliegen, wenn es warm und kuschelig im Nest ist und draußen lauter Gefahren auf den kleinen Vogel warten? Treibt die Neugier den kleinen Vogel aus dem Nest? Oder die Suche nach Freiheit? Wie wird aus dem Nesthocker der Vogel, den wir dort oben am Himmel bewundern, weil er so frei und natürlich durch die Lüfte gleitet?

Donnerstag, 31. Juli 2014

Spurensucher

Spuren im Sand - Wo kommen sie her? Wo führen sie hin?

Ich gehe am Strand entlang. Im feuchten Sand sehe ich unzählige Spuren. Bedächtig, einen Fuß vor den anderen setzend, gehe ich voran, immer an den Spuren entlang. Wer war es, der dort seine Spur hinterließ? Ein tiefer Abdruck, ein weiter Schritt - vorsichtig trete ich in die Fußstapfen hinein. Ich folge der Spur mit großen, energischen Schritten, bis sie sich im Wasser verliert. Die nächste Spur ist klein und leicht. Sie führt nicht gerade aus, sondern dreht sich im Kreis. Schon schnell verschwindet sie unter schwereren Spuren. Auf der Suche nach neuen Spuren finde ich eine, die mit den Füßen nach Innen zeigt und zwei, die sich stehts begleiten. Dann schaue ich hinter mich. Ich schaue auf die Spuren, die ich hinterließ. Ein paar Schritte zurück und ich sehe, wie sie sich mit anderen kreuzt. Ein paar Schritte weiter und verliere ich sie. Ich drehe mich wieder um und schaue nach vorn. Wo führt meine Spur hin?

Donnerstag, 24. Juli 2014

Jeden Tag

Jeden Tag geht die Sonne auf und wieder unter. Jeden Tag wird es in meinem Zimmer hell und wieder dunkel. Jeden Tag steh ich auf und geh wieder schlafen. Jeden Tag. Und trotzdem ist jeder Tag neu und anders. Wir wissen nie was uns erwartet. Jeder Tag ist einzigartig. Jeder Tag kann unser Leben verändern. Jeder Tag ist der erste vom Rest unseres Lebens. Jeder Tag!
Durch mein Fenster kann ich dieses Schauspiel beobachten. Ich bin Zuschauer einer riesigen Show. Doch durch mein Fenster sehe ich nur bedeutend wenig davon, deshalb muss ich rausgehen, aus anderen Fenstern gucken, selbst zum Teil dieses Schauspiels werden und eigene Schrauben drehen, denn ich kann die Welt verändern und meinen Blick auf die Welt. Ich selbst entscheide wie meine Welt ausieht und in welche Richtung sie sich dreht. Sehe ich jeden Morgen aufs Neue wie die Sonne aufgeht oder sehe ich immer nur ihren Untergang?
Mit den Wolken, die an meinem Fenster vorbei ziehen, verändert sich meine Welt. Zeit vergeht, wir werden älter und irgentwann ist es Zeit für einen Aufbruch. Dies ist der Beginn einer Geschichte von einem kleinen Vogel, der das Fliegen lernte.

Samstag, 21. Juni 2014

Gedankensalat

In meinem Kopf herrscht ein furchtbares Durcheinander. Es schwirren Gedanken, Fragen und Wünsche umher und dazwischen machen sich Ängste und Zweifel breit. Ich suche meinen Weg zwischen blinkenden Schildern, beobachte Menschen, die zielstrebig ihrer Wege gehen, und frage mich – wohin?

Alle laufen, haben scheinbar immer ein Ziel, auch wenn es nur die zurückgelegte Strecke ist.

Manchmal ertappe ich mich, wie ich durch die Gegend laufe ohne nach links und rechts zu schauen, nur mein Ziel vor den Augen. Und an anderen Tagen habe ich plötzlich das Bedürfnis stehen zu bleiben, während sich alles um mich herum bewegt. Alles kommt mir dann so fremd und unwirklich vor, so sinnlos und leer.

Ich habe das Gefühl, dass wir schon längst nur noch Hüllen sind und vielleicht haben wir auch nie gelebt.

Die Welt, deren Teil auch ich bin, scheint sich ständig zu bewegen ohne jedoch wirklich voran zu kommen. Sie dreht sich im Kreis und kommt am Ende immer dort wieder an, wo sie angefangen hat. Wer ist der Sieger in diesem Kreislauf? Ist der, der die meisten Runden zieht, auch der, der am meisten sieht?

Dienstag, 10. Juni 2014

Kreise

Kreise

Wir ziehen unsere Kreise

kreisen auf unseren Bahnen

suchen unseren Mittelpunkt

Wir ziehen unsere Kreise

*

Wir vergrößern unseren Radius

beobachten andere Kreise

finden Parallelen und Schnittpunkte

Wir ziehen unsere Kreise

*

Wir ändern die Richtung

ziehen mal schnell, mal langsam

ziehen uns an, stoßen uns ab

Wir ziehen unsere Kreise

*

Wir ziehen unsere Kreise

kreisen auf unseren Bahnen

suchen unseren Mittelpunkt

Wir ziehen unsere Kreise

Sonntag, 8. Juni 2014

Kapitel 4

Die Farben der Welt entdecken

 
Rot, Gelb, Blau- die drei Primärfarben aus denen wir alle anderen Farben mischen können. Schau dich um: Wo findest du diese Farben in deiner Umgebung? Orange,Grün, Violett – die Sekundärfarben. Siehst du auch diese Farben in deiner Umgebung? Wenn du weiter mischst erhältst du weitere Farbtöne und Abstufungen. Immer feiner und vielfältiger werden die Farben auf deiner Palette. Schau dich erneut um und du wirst feststellen, dass die Welt um dich herum noch viel bunter, intensiver und vielfältiger ist als die Farben auf deiner Palette.

Neulich habe ich mit blauer und oranger Tusche gemalt und als sich die Farben mischten, hatte ich auf einmal einen wunderschönen Grünton.

Manchmal kommt es eben anders als man erwartet und man muss einfach ausprobieren. So gibt es viele Dinge, die wir einfach übersehen, wenn wir nicht mit der Nase darauf gestoßen werden. Fast könnte man meinen wir gingen mit geschlossenen Augen durch die Welt. Meist sind es gerade die Dinge, die für uns selbstverständlich sind, die wir übersehen- Dinge, die wir annehmen ohne sie zu hinterfragen. Wir haben soviel für das wir dankbar seien könnten, wenn wir es nur sehen würden.
Manchmal erscheint es mir, als ob sich das wahre Leben ganz weit weg abspielt. Es wirkt so fern, so befremdlich und so unbegreiflich. Lauter kleine Menschen, die wie Spielfiguren umher wuseln und irgendwo dazwischen ich. Aber wo bin ich? Stehe ich gerade still? Oder bin ich eine der Personen, die durchs Leben hetzt ohne irgendwo Rast zu machen? Ich habe große Pläne und verliere mich manchmal in meinen Welten. Mal denke ich ich hätte alles verstanden und wann anders fühle ich mich ganz klein. Irgendwie funktionieren wir alle. Unsere Leben greifen ineinander wie Zahnräder und eines treibt das andere an, so dass wir ständig in Bewegung bleiben.

Welchen Sinn hat diese ständige Rotation? Drehen wir uns nur im Kreis?

Dienstag, 27. Mai 2014

Warum morgen heute ist oder ein Selbstappell


Wenn du die Zukunft ändern möchtest musst du das jetzt tun. Die Vergangenheit kannst du nicht rückgängig machen, die Zukunft jedoch beeinflusst du mit jeder noch so kleinen Handlung. Alles baut aufeinander auf. Entscheidungen, die du jetzt triffst, Wege, die du jetzt gehst- alles beeinflusst deine Zukunft. Wenn du jetzt etwas veränderst, veränderst du deine gesamte Zukunft. Deine Ziele kannst du nur im Hier und Jetzt verfolgen. Rede nicht von morgen, sondern gestalte morgen heute!

Samstag, 24. Mai 2014

Kapitel 3

Wie die Zeit vergeht


Den Wettlauf gegen die Zeit kann man nicht gewinnen, denn sie vergeht unaufhörlich. Alles was du siehst und hörst, riechst, schmeckst oder fühlst gehört der Vergangenheit an. Du bist immer ein Stückchen langsamer als die Realität.
Auch was du hier liest, liest du in der Zeit versetzt. Jede Zeile wurde erdacht und niedergeschrieben zu einer anderen Zeit. Manche sind alt. Manche sind neu. So mischen sich die Zeiten und es entsteht eine neue. Dieser Satz zum Beispiel wurde am 21.9.2013 um 17:57 im Präteritum verfasst, vorahnend, dass er, wird er gelesen, längst geschrieben und mehrmals überarbeitet sein wird.

Wenn aber alles in der Vergangenheit geschieht, kann ich dann überhaupt im Jetzt denken oder sind auch alle meine Gedanken längst erdacht? Kann ich etwas Neues schaffen oder nur Altes kombinieren? Ist nicht alles, was in Zukunft geschieht, schon vergangen?

Was ist das überhaupt für eine Einheit - Zeit? Klar ist: Zeit hat man nie genug. Immer wenn man die Zeit braucht hat man zu wenig und wenn man gerade Zeit hat, dann fehlt einem die Beschäftigung. Unser Zeitempfinden ändert sich ständig, sowohl kurz- als auch langfristig betrachtet. Bei einer Beschäftigung die uns Spaß macht vergeht die Zeit wie im Flug, während sie bei monotonen Arbeiten fast still zu stehen scheint. Und auch mit zunehmendem Alter vergeht die Zeit gefühlt immer schneller. Und trotzdem hat jedes Jahr immer noch 365 Tage (Schaltjahre ausgenommen), jeder Tag 24 Stunden, jede Stunde 60 Minuten und jede Minute 60 Sekunden – warum also scheint sie immer schneller zu laufen? Oder bekommen wir von unserer Zeit vielleicht nur weniger mit? Sind wir schon so übersättigt mit Eindrücken und Informationen, dass wir viel weniger von unserer Umgebung wahrnehmen? Sind prägende Reize für uns heute viel schwieriger zu finden, als für unser 5-jähriges Ich?

Sonntag, 18. Mai 2014

Sterne

In klaren Nächten kann ich von meinem Fenster aus unzählige kleine Lichter am Himmel bewundern. Alleine sind diese Lichter klein und schwach, doch gibt es so viele von ihnen, dass der gesamte Nachthimmel erleuchtet wird. Je länger ich schaue, desto mehr Lichter entdecke ich und desto heller wird die Nacht. Wo sonst die Dunkelheit herrscht starre ich nun in ein Meer aus Lichtern.
Diese kleinen Lichter können Trost und Zuversicht spenden. Es sind Sterne, die in unvorstellbaren Entfernungen leuchten. Bis ich das Licht der Sterne meine Augen trifft vergehen Jahre, Jahrhunderte und Jahrtausende. Ein Blick in den Himmel ist also immer auch ein Blick in die Vergangenheit. Nein, eigentlich ist er sogar noch viel mehr - Wir sehen nicht nur eine Vergangenheit, sondern unglaublich viele. Jedes Licht hat seine eigene Geschichte und eine weite Reise hinter sich. Was die Lichter wohl schon erlebt haben, auf ihrer Reise durch Raum und Zeit? Sie sind die Zeugen ihrer Reise und weihen uns mit ihrem Licht in ihre Geschichten ein. Sie zeigen uns, dass es vor uns schon etwas gab und dass es auch nach uns etwas geben wird. Denn sie reisen weiterhin unermüdlich, bis das Licht erlischt.

Und vielleicht leuchten auch wir wie die Sterne. Wir können anderen Trost und Zuversicht verbreiten und ein Licht im Dunkeln schenken. Wir können ein Lächeln auf die Gesichter zaubern und zurück geben, was wir bekommen haben. Jeder braucht gewisse Dinge zum Leben, aber jeder hat auch etwas zu geben. Drum lasst uns versuchen etwas Licht zu verbreiten, vor allem in den dunklen Zeiten.

Sonntag, 11. Mai 2014



Ob Sonnenschein,
ob Sternenfunkel: Im Tunnel ist es immer dunkel.“ - Erich Kästner

Samstag, 3. Mai 2014

Kapitel 2

Bei Nacht


Dieses Kapitel ist der dunkelsten aller Zeiten gewidmet – der Nacht. Mit dem Untergang der Sonne verschwindet das Licht und die Wärme und es wird kalt und dunkel.
 

Ganz langsam wird es immer dunkler und dunkler und mit der Dunkelheit kommt die Angst. Langsam kriecht sie an mir herauf, legt sich sich um mich, wie ein undurchsichtiger Schleier. Immer enger wickelt sie sich um mich, immer fester wird sie und je dunkler es wird, desto mehr hält sie mich fest.

Die Nacht macht uns schwach und verletzbar. Sie zeigt uns unsere Schwächen und Ängste. Sie präsentiert die Größe und Kraft des Universums und führt uns vor, wie klein und verwundbar wir sind. Der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist unaufhaltsam. Wir können den Prozess nicht steuern oder beeinflussen. Jede Nacht aufs Neue erleben wir, wie wenig Macht wir doch haben. Dann bleibt uns nur das Abwarten auf den nächsten Tag, das nächste Licht, den ersten Sonnenstrahl.

Ich versuche still zu bleiben und einfach abzuwarten, denn irgendwann muss es wieder hell werden und dann wird es wieder warm und schön...

Und obwohl die Nacht so kalt und dunkel seien kann, offenbart sie uns etwas Wunderbares, denn die Nacht hat viele Gesichter. Sie ist ruhig und schreckhaft, gespenstisch und geheimnisvoll, besinnlich und vertraut.

Mit dem Hereinbrechen der Dämmerung verschärfen sich die Sinne. Die kleinsten Geräusche werden auf ein Mal groß und laut. Jeder Tritt, jedes Rascheln, jeder Atemzug wird zu einer lauernden Gefahr. Ein vorbeihuschender Schatten, das Scheinwerferlicht eines Autos oder ein sich im Wind bewegender Baum werden zu schaurigen Gestalten, die die Dunkelheit beherrschen.


Wenn der Himmel Feuer fängt,
erwachen die Mysterien,
dann steht die Welt kurz still
schafft Raum für Übersinnliches
geschützt durch das Hereinbrechen der Nacht
macht sich so manches Wesen auf die jagt
und am Ende schwarz 
 
Um uns zu schützen gegen etwas, das übermächtig ist, rücken wir enger zusammen. Die Nacht zeigt uns, wo unsere Freunde sind, denn wir brauchen sie, um die Nacht zu überstehen. Um die Dunkelheit und Kälte der Nacht zu vertreiben, werden Geschichten erzählt. Wir reden und spielen und lachen und machen Lärm, um die Stille der Nacht zu durchbrechen. 
 

Lauschend und sich vorsichtig bewegend ziehen wir durch die Nacht. In diesen Momenten macht sie uns stark und unsichtbar. Sie schweißt uns zusammen und lässt die Geschichten kommen.

Und dann, wenn Ruhe in den Häusern eingekehrt ist und die Menschen sich versammeln, zeigt die Nacht ihre besinnliche Seite. Sie gibt uns Platz zum Träumen und Denken. Sie legt ihre Dunkelheit schützend über intime Momente. Sie schafft Raum und Zeit für Übersinnliches. Und nicht zu Letzt zeigt sie uns die Sterne, gibt Hoffnung und Zuversicht, denn nach der Nacht kommt ein neuer Tag.

Dienstag, 22. April 2014

Wenn der Himmel Feuer fängt


Aus Schwarz steigt auf ein sanfter Schimmer,
immer heller wird das Licht,
bis der Himmel Feuer fängt.

Wasser lischt die Flamen,
Blau ergießt sich überall und im Himmel
spiegelt sich ein Meer.

Bevor es wieder Dunkel wird,
tuen Flammen sich hervor.
Sie entzünden, was sie finden, sterben
und die Welt liegt schwarz im Ruß.

*

Die Dämmerung bricht schnell herein,
überrollt den Himmel mit Ta-Raa
tunkt ihn ein, in neue Farbe,
zeigt in ihrer schönen Pracht auch ihre volle Kraft.

Sie ist Vorbote der Dunkelheit durch Licht
täuscht mit ihrem Farbenspiel und lockt
die Wesen der Dunkelheit hervor.

Während langsam sich entzündend
alles Blau des Tags verschwindet,
lauert schon im Hintergrund
die Finsternis der Nacht.

In seinem letzten großen Kampf
verliert der Tag die Macht
und gibt Platz für tiefe Nacht.

Freitag, 18. April 2014

Der Blick aus meinem Fenster

Ich kann von meinem Fenster aus in den Himmel blicken. Über Schornsteinen, Dächern und Antennen kann ich die Vögel fliegen und die Wolken vorbeiziehen sehen. Und bei Nacht, da kann ich die Sterne zählen und mich in Gedanken auf ferne Reisen begeben.
Aus meinem Fenster schaue ich in eine kleine Welt. Eine Welt, die für andere verborgen bleibt. Meine Welt ist meistens ruhig, aber steht niemals still. Und manchmal da stürmt es und dann ist meine Welt laut, dunkel und kalt.

Während unseres Lebens schauen wir durch viele Fenster. Wir sehen die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln und aus welchen Fenstern wir blicken ist entscheidend dafür, wie unsere Welt aussieht. Es gibt so unterschiedliche Fenster: kleine Fenster, große Fenster, runde Fenster, schräge Fenster, Milchglasfenster... Und so unterschiedlich wie die Fenster sind auch die Menschen, die aus den Fenstern gucken. Selbst wenn wir aus dem gleichen Fenster schauen nehmen wir unterschiedliche Dinge wahr. Die Welt ist zu vielfältig, um sie komplett zu sehen. Niemand kann alles verstehen und jedes Detail erforschen. Und so bleiben wir vor unseren Bruchstücken stehen und versuchen uns daraus unser Weltbild zu basteln. Uns fehlen so viele Teile in unserem Puzzle, denn wo Fenster sind, sind auch Mauern. 

Montag, 7. April 2014

Kapitel 1

Das Gleichgewicht von Gut und Böse 


Alles Leben hat einen Anfang und ein Ende. Das ist das Einzige worauf man sich verlassen kann. Ist es nicht gut, dass es wenigstens einen sicheren Punkt gibt, an den man sich klammern kann: Die Gewissheit, das alles irgendwann vorbei ist? Ist das Hoffnung oder Verzweiflung? Anfang und Ende – Zwei Gegensätze die scheinbar so weit auseinander liegen und doch so eng mit einander verbunden sind. Ohne Anfang gäbe es keine Ende. Ohne Ende gäbe es keinen Anfang.

Wie mit dem Anfang und dem Ende verhält es sich mit Gut und Böse. Gäbe es nichts Böses, dann gäbe es auch nichts Gutes. Nur im Verhältnis zum Bösen erscheint das Gute gut. Wenn es also das Böse nur gibt, damit es Gutes gibt – Wäre das Böse dann nicht auch das Gute?

Gut und Böse sind reine Empfindungen. Es existiert nichts Gutes und nichts Böses. Alles was wir tun sind Maßstäbe anzulegen, die wir selbst erfunden haben. Alles was wir fühlen, was wir nicht vermögen durch Worte, Zahlen, Bilder oder Klänge auszudrücken, besitzt zwei Seiten. Glück kennen wir nur, weil wir im Spiegel des Glückes Unglück sehen. Wohlstand entsteht nur durch Armut.

Alles hat zwei Seiten. Der Unterschied besteht nur darin was du siehst und was du zeigst, wen du siehst und wem du es zeigst. Zur Hälfte Gut, zur Hälfte Böse. Das ist es, was das Gleichgewicht aufrecht erhält.

Wie wäre eine Welt, in der es weder Liebe, noch Hass, weder Gut, noch Böse, weder Anfang, noch Ende gäbe? Wäre sie Paradies oder Hölle? Oder würde sie einfach aufhören zu existieren?

Donnerstag, 20. März 2014

Vorwort

Donnerstag, 20. März 2014, astronomischer Frühlingsanfang. Heute um 17:57 Uhr überquert die Sonne den Himmelsäquator am Frühlingspunkt. Mit dem Anbruch des neuen Tages, dem Beginn des Frühjahrs und der aufgehenden Sonne, soll auch hier etwas Neues entstehen.

Das hier ist eine Sammlung an Ideen, Rezepten und Gefühlen. Eine Bilanz aus Erfolgen und Niederlagen. Eine vage Erinnerung. Ein kurzer Eindruck oder eine Quelle der Inspiration. Das hier ist eine Sammlung an Puzzlestücken und ein weiteres Puzzlestück.

Jedes Leben ist einmalig. Manchmal ist schwer zwischen Einbildung und Wirklichkeit zu unterscheiden, doch bergen beide eine Wahrheit. Alles hat zwei Seiten und deshalb möchte ich euch eine Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte davon, wie ich fliegen lernte, wie ich begriff das alles mit allem verbunden ist und dass nichts so ist wie es scheint.

6:07 Uhr. Sonnenaufgang. Nach einem Moment träumerischer Stille, trifft mich gleißendes Licht. Geblendet von der ungeheuren Vielfalt der Farben, weiche ich taumelnd zurück. Um mich herum tanzen bunte Schatten und schwarze Lichtgestalten. Sie ziehen mich in ihren Sog, schlagen über mir zusammen und begraben mich. Die Dunkelheit lässt meine Glieder erstarren und hüllt mich in ihr samtweiches Tuch. Während ich die Augen öffne, nehme aus weiter Entfernung das Rauschen der Wellen wahr. Ich sehe den Zug. Ziel: unbekannt. Der Schrei, der Leben bedeutet. Es ist Frühjahr 2014.