Sonntag, 22. Februar 2015

Über die Diskrepanz zwischen Vögeln und Fliegern

Frei möchte man sein! So unbetrübt und natürlich durch die Lüfte gleiten können, wie ein Vogel, das wär´s!
Fliegen möcht´ ich können!

So träumen die Menschen schon seit Generationen einen Traum vom Fliegen. Sie träumen hoch über der Erde zu schweben, Wiesen und Felder unter sich zurück zu lassen, Abstand zu gewinnen zu den arbeitenden Spielzeug-Menschen unter ihnen und sich vom Wind treiben zu lassen. Und Reinhard Mey singt "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...". Für diesen Traum lässt nicht nur Ikarus sein Leben, sondern auch viele der heute bekannten Flugpioniere. Ob einer von ihnen wohl jemals sein Ziel erreicht hat?

Frei wie ein Vogel sitze ich in einem großen Kasten. Unbeweglich, eingeklemmt zwischen Sitznachbar und Fenster, aber immerhin ein Fenster. Oder doch mehr ein Guckloch? Gewaltiges Brummen und der fliegende Kasten, in dem ich sitze bewegt, sich schwerfällig über die Startbahn. Durch das Vibrieren meines Sitzes spüre ich die Kraft, die in dieser Maschine steckt. Und die Energie, die notwendig ist, um sie anzutreiben. Langsam kommt sie ins Rollen, wird schneller und immer schneller und hebt endlich ab. Auf geht´s mit der Nase in den Himmel hinein, durch die Wolken ins grenzenlose Blau! Freiheit, ich komme! ...   Freiheit!? Freiheit?? ... Warte was? Selten habe ich eine so große, schwere Maschine gesehen, wie die in der ich jetzt sitze und fliege. Dass sie überhaupt fliegt scheint mir das größte Wunder zu sein. Es gibt keinen Wind, der mir durch die Haare fährt, keine Sonnenstrahlen, die meine Haut wärmen. Stattdessen zeigt der Monitor vor mir eine Außentemperatur von -52°C an. Weit unter uns liegt jetzt die Wolkendecke und ich frage mich, ob ich den Wolken vom Boden aus nicht näher bin als jetzt aus der Luft.

Flugzeuge sind tonnenschwere Kolosse, die sich durch die Lüfte schieben und einem nicht das Gefühl von Freiheit vermittel, sondern das Gefühl von Kraft. Die Kraft Naturgesetze zu überwinden, die Macht alles zu können ohne es zu begreifen. Und so antwortet Otto Waalkes "Unter den Wolken da muss die Beinfreiheit grenzenlos sein" und weiter "Eines gilt in jedem Falle: Runter kommen sie alle".

Sonntag, 1. Februar 2015

Kapitel 5

Funkstille


Dieses Kapitel ist all den Briefen gewidmet, die nie abgeschickt wurden, all den Worten, die nie gesagt wurden und all den Tränen, die nie vergossen wurden.

Ich bin überzeugt, dass es in der Welt viel mehr ungesagte, als gesagte Worte gibt. Ich selbst könnte Seiten, nein sogar Bücher füllen, mit all jenen Worten, die ich so gerne gesprochen hätte, jedoch nie über die Lippen bekam. Und doch stellt euch eine Welt vor in der all diese Worte gesagt werden würden. Wie laut und kalt, wie ehrlich und wie unbarmherzig sie wäre.

Jetzt im Winter nimmt man diese Stille besonders deutlich wahr. Die Felder liegen brach, die Bäume sind kahl und eine dünne Schneeschicht, stielt der Welt die Farben. Dennoch hat der Winter, aber auch etwas erfrischendes, belebendes. Die eisige Luft macht einen klaren freien Kopf. Der Winter schafft Raum für einen Neuanfang, räumt auf und macht den Weg frei für den Frühling und ein neues Jahr.

Manchmal ist der Winter einsam und betrübt. Die Menschen verkriechen sich in den Häusern und wer draußen ist versucht so schnell wie möglich wieder ins Warme zu gelangen. Was ist aber mit denen, die keine warmes Heim haben, keine Familie mit der sie die Kälte teilen können und keinen an dem sie sich wärmen können? Wo verbringen sie den Winter, wenn alle Türen geschlossen bleiben?