Freitag, 22. Mai 2015

Der Algorithmus

Ich suche und suche, wo alle Suchmaschinen der Welt nicht fündig werden können. Tief in mir drinnen suche ich nach Antworten, finde aber mehr und mehr Fragen. Um sie nicht stellen zu müssen, vertreibe ich mir die Zeit.
Durchscannen, rausfiltern, abspeichern, löschen - mein Gehirn ist meine interne Festplatte. Meine Sprache wird von Zeichenbegrenzungen und Tippbarkeit geformt. Wann war surfen noch Wellenreiten und eine Pinnwand noch aus Kork? Ist es die Post oder der Post? Wozu Rechtschreibung, wenn mein Handy nicht nur eine Autokorrektur, sondern auch eine Spracheingabe besitzt? Was muss ich noch wissen, wenn Wikipedia allwissend ist?
Eine schiere Masse an Informationen steht uns jederzeit bereit. Ein intelligenter Algorithmus entscheidet was wir sehen, gemischt mit blinkenden Werbeanzeigen und kleinen Browsergames. Sind die Maschinen wie wir oder wir wie die Maschinen? Wer programmiert hier eigentlich wen?


Wollen sie diese Datei unwiderruflich löschen?

Montag, 18. Mai 2015

Fassade.txt


Wenn alle hinter Fenstern sitzen,
Blicke in die Ferne schweifen
und jeder nur mit Augen sieht.

Wenn die Gesichter Steinen gleichen,
keiner weint und keiner lacht
und niemand sich mehr Sorgen macht.

Wenn Vergangenes vergessen bleibt,
Mauern schützen und stützen
und das Leben mit der Zeit vergeht.

Hält die Fassade.



Dies ist ein Beitrag zu dem *.txt-Projekt des Blogs Neon|Wilderness. Alle drei Wochen erscheint dort ein neues Wort, das als Grundlage für die entstandenen Texte dient. Mehr zum aktuellen Wort: Fassade.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Das Parfum


Das Parfum


Wenn ich ein Parum kreieren könnte,
es würde nach Regen riechen.
Und nach Fichten in einem großen, dunklen Wald.
Ein bisschen vom kleinen Teich und vom großen Meer. 
Erdig müsste es sein.

Moschus, wie die bittere Süße des Lebens.
Dazu eine Priese Zimt.
Ja, ein Hauch von Weihnachten müsste schon sein.
Darauf weiße Blüten von Orangen und Apfelbäumen.
Etwas von der Wärme der Luft in jener Stadt am Mittelmeer.
Und ein Hauch Vanille.

Auf der Zunge würde es nach Freiheit schmecken,
in Gedanken Abenteuerlust erwecken
und im Herzen Geborgenheit versprechen.